Core Web Vitals: Die 3 Zahlen, die Google wirklich interessieren

Es gibt eine Menge Kennzahlen, mit denen man eine Website bewerten kann. Die meisten davon interessieren niemanden außer dem, der sie misst. Drei Werte sind anders. Sie heißen Core Web Vitals, sie fließen direkt in das Google-Ranking ein und sie entscheiden mit darüber, ob deine Seite gefunden wird oder auf Seite zwei verschwindet, wo bekanntlich der beste Ort ist, um eine Leiche zu verstecken.

Das Frustrierende daran ist, dass diese Werte oft schlecht sind, ohne dass es jemandem auffällt. Die Seite sieht im Browser gut aus, der Inhaber ist zufrieden, und trotzdem signalisiert Google im Hintergrund, dass hier etwas nicht stimmt. Denn Google misst nicht, wie deine Seite auf deinem schnellen Rechner mit Glasfaser aussieht. Google misst, wie sie sich bei echten Besuchern verhält, auf durchschnittlichen Handys, in durchschnittlichen Netzen. Und genau dort fallen die meisten Websites durch.
Schauen wir uns an, welche drei Zahlen das sind, was sie bedeuten und was du tun kannst, wenn sie im roten Bereich liegen.

LCP: Wie lange dauert es, bis das Wichtigste da ist

Largest Contentful Paint (kurz LCP) misst, wie lange es dauert, bis das größte sichtbare Element im ersten Bildschirmausschnitt geladen ist. Meistens ist das ein großes Bild, ein Hero-Banner oder eine fette Überschrift. Es geht also nicht darum, wann die Seite technisch fertig geladen ist, sondern wann der Besucher das Gefühl hat, dass etwas Brauchbares vor ihm steht.

Google bewertet einen LCP von bis zu 2,5 Sekunden als gut. Alles zwischen 2,5 und 4 Sekunden ist grenzwertig, alles darüber ist schlecht. Das klingt nach viel Zeit, ist es aber nicht. Jemand, der über die Google-Suche auf deiner Seite landet, hat in der Regel noch fünf andere Tabs offen und keine Geduld. Wenn nach zwei Sekunden immer noch nichts Greifbares da ist, ist er oft schon wieder weg.

Die häufigste Ursache für einen schlechten LCP sind zu große Bilder. Ein Foto, das in voller Kameraauflösung hochgeladen und vom Browser erst nachträglich kleingerechnet wird, kostet unnötig Ladezeit. Wer Bilder vorher auf die tatsächlich benötigte Größe bringt und in einem modernen Format wie WebP ausliefert, gewinnt hier oft mehrere Sekunden, ohne irgendetwas am Design zu ändern. Auch ein langsamer Server oder ein überladenes Theme mit zu vielen Plugins zahlt direkt auf diesen Wert ein.

INP: Reagiert die Seite, wenn jemand etwas tut

Interaction to Next Paint (kurz INP) ist die jüngste der drei Kennzahlen. Sie hat im März 2024 den alten Wert FID abgelöst und misst, wie schnell die Seite auf eine Interaktion reagiert. Klickt jemand auf einen Button, öffnet ein Menü oder tippt in ein Formularfeld, dann erwartet er eine unmittelbare Reaktion. INP erfasst, wie lange es dauert, bis nach so einer Aktion sichtbar etwas passiert.

Gut ist hier ein Wert von bis zu 200 Millisekunden. Bis 500 Millisekunden wird es grenzwertig, darüber empfindet der Mensch die Seite als hängend oder kaputt. Das ist der Wert, der erklärt, warum sich manche Seiten subjektiv träge anfühlen, obwohl sie eigentlich schnell geladen haben. Geladen heißt eben nicht bedienbar.

Schuld an einem schlechten INP ist fast immer zu viel JavaScript, das im Hintergrund arbeitet und den Browser beschäftigt, während der Nutzer eigentlich klicken will. Tracking-Skripte, Chat-Widgets, Animationsbibliotheken und schlecht programmierte Plugins summieren sich hier schnell. Auf einem leistungsstarken Rechner fällt das kaum auf, auf einem drei Jahre alten Mittelklasse-Handy schon deutlich. Und genau dort sitzt ein großer Teil deiner Besucher.

CLS: Springt das Layout, während man liest

Cumulative Layout Shift (kurz CLS) ist die Kennzahl, deren Symptom jeder kennt, auch wenn kaum jemand den Namen dazu hat. Du willst auf einen Link tippen, im selben Moment lädt darüber noch ein Bild oder ein Werbebanner nach, alles rutscht nach unten und plötzlich hast du auf etwas ganz anderes geklickt. Dieses Verrutschen misst CLS. Es bewertet, wie stabil das Layout während des Ladens bleibt.

Hier ist die Skala anders, weil es kein Zeitwert ist, sondern ein Verhältnis. Gut ist alles bis 0,1. Bis 0,25 ist es grenzwertig, darüber wird es störend. Anders als bei LCP und INP geht es hier nicht um Geschwindigkeit, sondern um Verlässlichkeit. Eine Seite kann blitzschnell laden und trotzdem nervig sein, wenn sie beim Laden herumzappelt.

Die typischen Verursacher sind Bilder und eingebettete Elemente ohne feste Größenangabe. Wenn der Browser nicht weiß, wie viel Platz ein Bild brauchen wird, lässt er die Lücke zunächst leer und schiebt den restlichen Inhalt zur Seite, sobald das Bild eintrifft. Wer Bildern und Einbettungen von vornherein feste Maße mitgibt, reserviert den Platz und verhindert genau dieses Springen. Auch Schriftarten, die spät nachgeladen werden und den Text kurzzeitig umbrechen lassen, tragen zu einem schlechten Wert bei.

Wie die Core Web Vitals zusammenspielen

Es ist verlockend, sich auf eine Zahl zu stürzen und die anderen zu ignorieren. Genau das führt aber in die Irre. Die drei Core Web Vitals beschreiben zusammen drei verschiedene Phasen der Nutzererfahrung.

  • LCP fragt, wie schnell überhaupt etwas da ist.
  • INP fragt, ob man danach sinnvoll mit der Seite arbeiten kann.
  • CLS fragt, ob man das auch tun kann, ohne ständig danebenzugreifen.

Eine Seite, die in allen drei Bereichen im grünen Bereich liegt, fühlt sich für den Besucher einfach richtig an, auch wenn er nicht benennen könnte, warum. Und das ist letztlich der Punkt. Google hat diese Werte nicht erfunden, um Webentwicklern das Leben schwer zu machen, sondern weil sie messbar mit dem zusammenhängen, was Menschen als gute Seite empfinden. Wer hier gut abschneidet, ranked nicht nur besser, sondern verliert auch weniger Besucher, bevor sie überhaupt gelesen haben, was er anbietet.

Was du jetzt damit anfangen kannst

Du musst kein Entwickler sein, um den Ist-Zustand deiner Seite zu kennen. Googles eigenes Werkzeug – PageSpeed Insights – gibt dir alle drei Werte kostenlos aus. Du gibst einfach deine Adresse ein und bekommst die Auswertung für Desktop und Mobil getrennt. Wichtig ist, dass du dir die mobilen Werte ansiehst, nicht nur die für Desktop, denn die mobilen sind es, die für das Ranking zählen und die meistens deutlich schlechter ausfallen.

Wenn dort drei rote Balken stehen, ist das kein Grund zur Panik, aber ein klares Signal. Es bedeutet, dass deine Seite Besucher und Sichtbarkeit verliert, an einer Stelle, die man reparieren kann. Vieles davon lässt sich ohne komplettes Redesign beheben, oft reichen optimierte Bilder, weniger überflüssige Skripte und ein paar technische Korrekturen, um aus Rot ein Grün zu machen.

Wir schauen uns regelmäßig die Core Web Vitals von Unternehmensseiten aus der Region an und sagen ehrlich, ob sich eine Optimierung lohnt oder ob die Seite längst in Ordnung ist. Wenn du wissen willst, wo deine steht, melde dich einfach.